Burnout heisst so viel wie ausbrennen oder ausgebrannt. Doch was brennt aus? Was war mal hier und ist jetzt weg? Verbrannt?
Wir können unseren Körper mit einem Auto vergleichen: Wenn wir passendes Benzin nachfüllen, regelmässig das Öl nachchecken und bei Bedarf nachfüllen, es rechtzeitig zum Service in die Garage bringen, wird es uns lange treu dienen und uns Freude bereiten. Wenn wir den Motor jedoch über längere Zeit überhitzen, wenn er mit altem Öl auskommen muss oder wir mit Vollgas und angezogener Handbremse fahren, wird er schnell kaputt sein.

Bezogen auf das Auto ist das den meisten von uns klar. Bezogen auf uns selbst scheinen wir da nachlässiger zu sein. Schnell ein Sandwich zwischendurch, das nächste Meeting wartet schon. Nebenbei noch Termine verschieben, dem Smartphone sei Dank. Wasser trinken ist für Gesundheitsfanatiker, wer so viel arbeitet, trinkt Kaffee. Damit die Figur nicht leidet, geht’s abends zum Sport, gute Leistung gibt Genugtuung, wenigstens in der Freizeit, wenn die Arbeit schon keinen grossen Spass macht. Vielleicht mag dies in Ihrem Fall übertrieben scheinen, ist aber tatsächlich der Alltag vieler Menschen. Sie stehen unter Dauerstress. Und wundern sich, wenn eines Tages der Motor nicht mehr kann. Er ist müde, ausgelaugt, ausgebrannt.

Stress, der nicht mit einem positiven Ziel verbunden ist, versetzt den Körper in eine hohe Flucht- oder Kampfbereitschaft, die nicht ausgelebt wird und nach der keine Ruhephase folgt. Lange Zeit auf Vollgas, jedoch mit angezogener Handbremse sind mitverantwortlich für Bluthochdruck, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Antriebslosigkeit, Freudlosigkeit und eben auch die Allgemein- Diagnose Burnout. Das innere Feuer, das einmal so freudig flackerte, ist aufgebraucht. Der Körper fordert seine Ruhepause. Wer schon einmal ein Burnout hatte, weiss, dass es gar nicht so einfach ist, wieder in den Alltag einzusteigen. Der Körper ist vorbelastet. Manchmal weigert er sich sogar, das frühere Tempo wieder zu übernehmen und fährt ab jetzt langsamer. Auch gegen den Willen seines Besitzers, der ihm aber ausgeliefert ist.

Es ist also sehr weise, es gar nicht erst zu einem Burnout kommen zu lassen. Dass es heute jedem passieren kann, wer nicht aufpasst, wissen wir inzwischen. Also warten auch Sie nicht, bis es soweit kommt, sondern werden Sie achtsam mit sich selber. Burnout – Prävention ist nämlich gar nicht so schwierig.

Warum gibt es heute mehr Burnout als früher?

Unsere Welt ist nicht nur schneller geworden mit Internet, Smartphone, TV und Computer-Arbeit – unsere Aufmerksamkeit wird auch ununterbrochen von uns selbst abgelenkt. Wir gehen nicht mehr, sondern überqueren nebenbei die Strasse während unser Blick am Smartphone hängt. Wir spazieren nicht mehr selig mit unserem Baby durch den Wald, sondern telefonieren mit unserer Freundin, die uns die neuste Story erzählt. Wir schauen nicht mehr schweigend in die Augen unserer Liebsten beim romantischen Dinner, sondern checken den neusten Facebook-Eintrag. Das sind längst nicht nur Jugendliche, sondern auch Erwachsene. So entfremden wir uns mehr und mehr von uns selbst und fragen uns irgendwann einmal, wo eigentlich unser Leben war.

In unserer Welt mit all den technischen Vorteilen ist es wichtig geworden, sich bewusst Inseln zu erschaffen, in denen ich nur mit mir selbst bin. In denen ich zu mir zurückkehre und spüre, wer ich bin, wie es mir gerade geht und was ich gerade brauche. Tun wir das nicht, verlieren wir uns im Aussen. Wir spüren uns dann nicht mehr und merken nicht, wie unsere Energie langsam dahinschwindet. Früher war das nicht so wichtig, da gab es automatisch Frei-Zeiten. An der Bushaltestelle, im Zug, in der Kaffeepause – wir wurden nicht ständig berieselt mit Informationen, sondern mussten manchmal einfach warten. Ob es uns damals gefiel oder nicht – es war gut für uns. Heute hat uns der Trend einen neuen Begriff daür gegeben: bewusstes SEIN.

Leben ist Bewegung. Wir sehen das in der schönen Analogie eines sprudelnden Baches mit frischem, klarem Wasser. Wird er über längere Zeit gestaut, verkommt er zu einem stinkenden trüben Tümpel. Auch wir müssen beweglich bleiben. Sobald wir steckenbleiben, werden wir langsam krank. Doch Gesundheit ist mehr als die Abwesenheit von Krankheit. Es ist der freie Fluss zwischen den Elementen in uns, der gesunde Zellaustausch, das Aufnehmen und das Loslassen, das Ein- und das Ausatmen. Versuchen Sie doch einmal, nur einzuatmen. Sie werden es nicht lange durchhalten. Doch genau das machen wir in unserer Gesellschaft und in der Wirtschaft. Nur der Wachstum zählt, nicht die Ruhephase danach. Wie schwierig es für viele Unternehmen ist, das Ausatmen nach dem Einatmen zu akzeptieren, wird im Wirtschafts-Ausdruck „negative Growth“ deutlich. Ruhepause wird zum „negativen Wachstum“.

Ein- und Ausatmen sind aber universelle Gesetze, die wir akzeptieren müssen, wenn wir nicht daran sterben wollen. Wir müssen wieder lernen, dass auf einen Aufschwung normalerweise eine Ruhephase folgt. Es ist nicht die Rückkehr zum Ausgangspunkt, denn wir sind ja einen Schritt weiter. Vielmehr geht es darum, den Ausgangspunkt von einer erweiterten Perspektive (der Ort, an dem wir uns nach dem Aufschwung befinden) anzuschauen und neue Entscheidungen zu treffen. Entwicklung ist nicht eine lineare Sache, sondern eine spiralförmige Angelegenheit. Es gibt neue Wirtschaftssysteme, sogenannte Cradle-to-Cradle-Projekte, die den Blick zum Ursprung, zum Rohprodukt, sicherstellen, damit das, was am Anfang steht, auch mitwächst. Diese Art von Wirtschaft dient dem ganzen System.

Was kann ich persönlich gegen ein Burnout tun? Ich kann doch nicht gleich den Job wechseln.

Die grössten und wirkvollsten Veränderungen geschehen im Inneren, nicht im Aussen. Sie können weiterhin Ihrer Arbeit nachgehen, und gleichzeitig Veränderungen in Ihrem Inneren vornehmen. Gehen wir davon aus, dass Ihr Job Ihre volle Aufmerksamkeit verlangt. Sobald Sie an Ihrem Arbeitsplatz sind, werden Sie von Ihren Aufgaben und den Erwartungen Ihrer Kollegen absorbiert. Ihre Aufmerksamkeit ist automatisch nach aussen gerichtet, Sie beschäftigen sich damit, was Sie zu erledigen haben, welche Meetings Ihnen bevorstehen, welche Zahlen Sie nach oben zu liefern haben. (Bei vielen beginnt dieser Prozess schon beim ersten Augenaufschlag im Bett oder lässt sie schlecht schlafen.) Was Ihnen also fehlt, ist der ausgleichende Gegenpol, die Aufmerksamkeit nach innen.

Während der Arbeitszeit: Schaffen Sie sich mini-Freizeit

Schaffen Sie sich kleine Oasen der inneren Aufmerksamkeit. Das können Sie am Pult machen, beim Gang zum Kaffee, auf der Toilette, beim Lunch. Gönnen Sie sich Freizeit am Arbeitsplatz. Freizeit ist freie Zeit, also füllen Sie sie nicht auf mit Smartphone, ein Check in Ihren privaten Mails, dem Geplapper Ihrer Kollegin. Gönnen Sie sich Leere. Die fehlt Ihnen in der Informationsüberflutung, in der wir mehr zugemüllt werden als tatsächlich informiert. Atmen Sie durch und spüren Sie sich selbst. Wie geht es Ihnen? Was brauchen Sie gerade? Sitzen Sie noch bequem oder schmerzt der Rücken? Nehmen Sie sich für einen Augenblick wahr, verändern Sie was ansteht (aufstehen, Wasser trinken, den Blick nach aussen richten) und machen Sie dann weiter mit Ihrer Arbeit. Sie haben einen kleinen Ausgleich geschaffen. Bravo. Am besten tragen Sie sich am Anfang Ihre mini-Freizeit in den Kalender ein – mit Erinnerungsfunktion. Denn wer sich am Anfang noch nicht so gut spürt, verliert sich schnell gleich wieder in den Aufgaben. Mit der Zeit werden Sie immer besser spüren, wenn es Zeit für ein Aufatmen ist und es fällt Ihnen mit jedem Tag leichter. Haben Sie ein schlechtes Gewissen und glauben, Sie können sich diese mini-Auszeiten nicht leisten? Ich frage Sie: Können Sie sich ein Burnout leisten? Kann sich Ihre Firma Ihr Burnout leisten? Wer für sich selbst sorgt, erlaubt auch anderen, für sich zu sorgen und dient somit dem Ganzen, also auch der Firma.

Vor der Arbeit: Reinigen Sie Ihre innere Welt

Putzen Sie sich die Zähne bevor Sie zur Arbeit gehen? Nehmen Sie eine Dusche? Kämmen Sie sich die Haare und schminken sich? Die meisten von uns tun dies. Wir sehen äusserlich adrett aus, haben uns aber keinen Moment unserem Inneren gewidmet. Völlig unvorbereitet und zerstreut gehen wir in die Welt hinaus und tauchen ein in ein Gewirr von Informationen und Aufgaben. Wen wundert’s, dass wir schnell die Nerven verlieren? Wir haben sie nicht vorbereitet.

Wirklich gute Manager und angesehene Persönlichkeiten wissen um die Macht der Meditation und üben sie auch täglich. Sie bereiten sich nicht nur äusserlich, sondern auch innerlich auf den Tag vor und bewahren so auch im hektischen Alltag den Überblick. Ausserdem sind sie mit der tiefen Quelle der Weisheit verbunden und können so Entscheide aus einem weiteren Blickwinkel treffen. Übrigens ist dies ein Grund, warum sie in einer solchen Position sind und oft bewundert werden: weil sie als ganzer Mensch präsent sind, äusserlich wie innerlich und ihr Charisma andere inspiriert. Bertrand Piccard und André Borschberg hätten ohne Meditation ihr Projekt von SolarImpulse wohl kaum durchgehalten. Mit ihrem Inneren verbunden behalten sie jedoch die Nerven, harren stundenlang im Flieger aus und vor allem: sie verlieren ihre Vision nicht aus den Augen, auch wenn es einmal zäh läuft.

Werden Sie doch zu Ihrem eigenen Top-Manager: Machen Sie sich eine tägliche 10 Minuten- Meditation zur Routine und Sie werden den Alltag viel leichter bewältigen. Das genervte Gerede um Sie herum wird Sie nicht gross berühren und Sie können sich besser auf Ihre Aufgaben konzentrieren. Nicht nur Sie selbst, auch Ihre Kollegen im Büro werden begeistert sein.

Kleine Morgenmeditation: 10 Minuten

Unter www.SilviaFelix.com/meditationen können Sie die Übung kostenlos herunterladen.

Am Abend: Schalten Sie ab und stimmen Sie sich ein

Schaffen Sie sich mit einem bewussten Übergangsritual ein Tor zwischen Arbeit und Ihrem Privatleben. Das kann ein Bild sein, das Sie sich kreieren und in Ihr Leben integrieren. Z.B. können Sie sich vorstellen, dass Sie, während Sie nach Hause fahren, eine Zwischenwelt passieren und bewusst das aufreibende Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten, die unerledigten Emails, aber auch das spannende Projekt langsam hinter sich lassen. Sie fahren ja davon weg und es verblasst in der Ferne. Dann fahren Sie auf Ihren Abend hin, den Sie sich nach Ihrem Geschmack gestalten können: ein leckeres Abendessen kochend, mit Ihrer/Ihrem Liebsten plaudernd, den Garten pflegend, einen Spaziergang machend. Alles, was Ihnen Spass macht, passt. Fernsehen ist übrigens nicht entspannend, weil Ihre Aufmerksam nicht bei Ihnen selbst ist! Bewusst einen guten Film schauen, kann jedoch durchaus seinen Platz haben.
Tauchen Sie in das Bild Ihres idealen Feierabends ein und spüren Sie die Vorfreude darauf. Wenn Sie die Autotür schliessen, schliessen Sie auch das Kapitel Arbeit und mit dem Öffnen der Haustür beginnt Ihre eigene Freizeit. Bewusst. Hier. Jetzt. Willkommen bei sich selbst, in Ihrem wahren Zuhause.

Übung: Achtsames Gehen (wenn möglich in der Natur)

Wenn möglich machen Sie die Achtsamkeitsübung in der Natur. Sie ist aber natürlich überall machbar. Stehen Sie aufrecht und atmen Sie dreimal tief ein und aus. Spüren Sie dabei Ihre Füsse auf dem Boden und bedanken sich für die Unterstützung der Erde. Dann setzen Sie bewusst einen Fuss vor den anderen und spüren, wie er aufsetzt. Finden Sie einen gleichmässigen Rhythmus zum Atmen, z.B. drei Schritte einatmen, 4 Schritte ausatmen. Beobachten Sie Ihren Atem, wie er in Sie hineinströmt, in jede Zelle fliesst und Ihren Körper wieder verlässt. Lassen Sie ihn ganz bewusst in die verschiedenen Körperteile fliessen. In die Füsse, die Beine, das Becken, den Bauch, die Brust, die Arme, Schultern, Nacken, Kopf und Gesicht. Werden Sie zu einem bewusst atmenden Körper.

Wenn Ihnen das gut gelingt, kann können Sie die Übung erweitern: Bleiben Sie mit ihrem Atem verbunden während Sie Ihre Aufmerksamkeit auf die Natur um Sie herum ausweiten. Spüren Sie, wie Sie sich selbst ausweiten.

Silvia Felix

Silvia Felix

Über die Autorin:

Den direkten Zugang zur Essenz herstellen und Frauen wie Männer in ihre wahre Kraft führen. Dies ist Gabe und gleichzeitig Leidenschaft von Silvia Felix.

Mehr Informationen über die Autorin dieses Artikels und Beispiele für Ihre Steinkunst gibt es > H I E R 

 

„Wir sind so viel mehr, als wir denken oder sehen. Genauso wie eine Skulptur schon immer im Stein verborgen lag, ist auch in uns schon alles vorhanden, was wir uns von Herzen wünschen. Wenn wir unsere inneren Fesseln loslassen, befreien auch wir unsere wundervolle Schönheit und Weisheit.“