Nicht neidisch sein? Das gelingt dir nicht? Hast du dir schon einmal überlegt wir cool es wäre als Triathlet nach 15 Stunden Qual ins Ziel zu laufen? Gefeiert von den Anderen? Von den tausenden Zuschauern. Was das für ein Gefühl sein muss?

Ich schon. Und was mich in diesem Zusammenhang bewegt, schildere ich dir in dieser Episode.

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Transkription

Herzliche willkommen zur Folge 21. Ist das nicht cool? Ist das nicht ein Beleg dafür, dass ich MEIN Ding gemacht habe, was ich meinen Leuten, meinen Klienten, meinen Kunden immer erzähle, was ich so cool finde: Den Leuten zu helfen, dass sie es machen. Und davon möchte ich heute erzählen in der 21. Episode.

Und zwar geht es hier auch um den Traum, den viele Leute – zumindest wenn sie Sport machen – haben: Einmal in Roth zu starten. Roth. Es geht um Triathlon, es geht um den Iron Man Triathlon in Roth. Das ist wahrscheinlich der älteste Wettbewerb in Deutschland, ein Stück weit in Europa. 200 000 Zuschauer, und so weiter. Da habe ich mitmachen dürfen, MEIN Ding gemacht, ich bin geschwommen in der Staffel. Triathlon ist ja für viele schon so das Synonym für “SEIN Ding machen”. Ja, der Iron Man.

Ich sage noch einmal kurz die Distanz für alle: 3,8 Kilometer Schwimmen, das habe ich gemacht und ich erwarte ein “Huuuiiii, cool der Markus!” Da komme ich gleich nochmal drauf zu sprechen. 180 Kilometer Radfahren und dann noch den Marathon obendrauf. Das ist die Iron Man Distanz.

Weltrekord von Frodeno

Gestartet ist Jan Frodeno. Ich möchte euch kurz der Vollständigkeit halber sagen, er hat in 7:35 oder 7:36 Stunden den Weltrekord aufs Wasser, in den Kanal, auf die Straße, zweimal beim Radfahren und beim Laufen geknallt. Nun ja, das ist sein Beruf und von daher stellt sich die Frage, ob es nicht nur SEIN Ding ist oder ob es nicht auch mit dem Geld zu tun hat und ob er jeden Tag Training wirklich genießt. Ob er sein Commitment da … naja.

Es geht mir aber eigentlich heute um die Anderen. Um die, die das machen, weil sie das in ihren Alltag integrieren. Also nicht ich. Wie gesagt, es geht mir nicht um mich. (Das stimmt natürlich nicht, fishing for compliments, ihr könnt mir wirklich ganz viele Kommentare schreiben, wie toll ihr das findet, dass ich die Strecke geschwommen bin.) Und dann sage ich auch nicht, in welcher unglaublich tollen Zeit. Nein, es geht mir um die Anderen, die 20 Stunden in der Woche für das Training für so ein Event aufwenden muss, in ihren Alltag reinquetschen. Die da ein echtes, richtiges Commitment eingehen. Und inwieweit das sinnvoll ist, möchte ich gleich noch einmal mit euch diskutieren. Es geht mir darum: Die nehmen unglaubliche Entbehrungen auf sich. Sowohl was Ernährung angeht, was Zeit angeht mit Freunden, was soziales Umfeld angeht.

Ein besonderes Erlebnis

Auch da möchte ich ein Stück weit erzählen: Die Laufstrecke für den Marathon geht in Roth den Kanal entlang. Ich hatte die große Freude – und das hat mich sehr geprägt – nach meinem Einsatz am Kilometerstein 5 die Läufer sehen zu dürfen und das ist gleichzeitig auch der Kilometer 20. Und die Allermeisten, Jan Frodeno war zum Beispiel schon lange im Ziel, das Ding wird morgens um halb sieben gestartet. Das sind die Profis und danach kommen die Altersathleten. Das bedeutet, ab einem gewissen Alter startest du später, weil du tendenziell länger brauchst.

Ich stand dann nachmittags, um 17 Uhr muss es gewesen sein – das heißt die Altersathleten sind dann schon 12 Stunden unterwegs. 12 Stunden Sport, mit sich alleine sein, SEIN Ding in diesem Wettbewerb machen. Und ich stehe da so rum mit einigen Leuten und wir treffen – nein, wir sehen an uns vorbeilaufen, -gehen eine recht verzweifelte Frau mittleren Alters. Sie sucht ihren Mann, bzw. sie war den Tränen nahe, weil ihr Mann sich weigerte aufzuhören. Und das, obwohl er schon – es war der Kilometer 5 und gleichzeitig der Kilometer 20, weil es ein Rundkurs ist – schon mit Krämpfen unterwegs war. Und wir wussten das, wir hatten den Mann gesehen, sie ist einfach zu spät gekommen an der Stelle, an der wir standen. Der Mann ist schon durch gewesen. Wobei durch ein sehr dehnbarer Begriff ist, er ist nämlich gegangen, weil man sehen konnte, dass er Krämpfe hatte.

Das ist aber gar nicht so ungewöhnlich in dem Stadium und darum geht es mir gar nicht. Mir geht es um die Frau, die weinte. Weinte, weil der Mann das macht und nicht aufhören möchte. Und durchhalten will. Weil das das Ding ist, wo er das ganze Jahr, mindestens ein Jahr lang, drauf gearbeitet hat. Un die beiden haben einen kleinen Sohn und schließlich möchte sie mit dem Sohn und mit ihm ins Ziel einlaufen. Das war das erste Mal, wo ich – und übrigens der Mann sah gar nicht … da waren deutlich mehr Leute, die noch viel mehr im Tunnel waren, die wir gesehen haben und dann bist du mit dir selbst beschäftigt.

Ich war auch mit mir selbst beschäftigt und habe gedacht: Cool, dass der SEIN Ding da so durchzieht. Oder dass die da IHR Ding durchziehen und ja, ich weiß, wie sich das anhört, ich war ein Stück weit neidisch auf diesen Tunnel, auf die Schmerzen, die die da haben. Komisch, oder? Finde ich für mich eher eine komische Sache.

Atmosphäre im Zielbereich

Gut, lass mich das vorausschicken, um dann gleich mit dir in den nächsten Bereich zu gehen, und zwar dann in den Zielbereich, wohin ich mich danach aufgemacht habe. Das noch kurz zur Erklärung: Die starten morgens um halb sieben, die Altersathleten um sieben, dann geht es in vielen Startgruppen weiter. Ich bin um zwanzig nach neun gestartet, war dann irgendwann um 12 Uhr geduscht und konnte den anderen Leuten a) meiner Staffel und b) den anderen Leuten zugucken und sie anfeuern. Ja, anfeuern. Auch das wird gleich noch einmal zum Thema.

Im Zielbereich bin ich dann so gegen halb acht angekommen. Zielschluss ist um 22:50 Uhr. Das heißt, ich konnte ab acht bis 22:25 Uhr noch gut 3 Stunden lang Leute sehen, die in diesem Tunnel sind. Bei sich. Und die letzten 15 Kilometer vielleicht nur gegangen sind, vielleicht mehr oder weniger auch gestolpert sind, aber ohne sich einzugestehen, dass es nicht mehr geht und deswegen aufzugeben. Und ich weiß auch gar nicht genau, wo der Unterschied zwischen denen ist – ich glaube auch nicht, dass es ein körperlicher Unterschied ist – , die aufhören, weil es einfach nicht geht und denjenigen die weitermachen, obwohl es eigentlich nicht geht. Und wir sind hier weit entfernt von Profisportlern. Das sind wie gesagt die Leute, die das in ihre Freizeit neben ihrem Beruf, neben ihrer Familie, neben den ganzen anderen Sachen, die sie so tun, mit einbauen.

Ich bin also im Zielbereich. Und dann passiert Folgendes. Du kannst dir den Zielbereich so vorstellen: Es ist ein kleines Stadion, das nur für diesen Wettbewerb aufgebaut wird. Da passen so etwa 3000 Leute rein, die auch seit 18 Uhr – das Ding ist den ganzen Tag voll besetzt, ich habe das nicht mitbekommen, weil natürlich viele auch die Profisportler ganz am Anfang sehen wollen. Das sind die Zuschauer, die mit Triathlon und Sport an sich so viel vielleicht nicht zu tun haben, die möchten die Bestleistung sehen. Das ist okay, das kann ich verstehen. Für mich ist das aber uninteressant. Für mich ist interessant, dass sich das Stadion irgendwann so gegen 19 Uhr mit den Leuten füllt, die entweder gefinished haben und den anderen Beifall klatschen möchten oder Angehörigen oder zumindest Freunden des Sports, die in der Richtung unterwegs sind.

Dementsprechend ist die Stimmung. Auch ich durfte mit meinen Staffelleuten da einlaufen. Und dir wird halt zugejubelt. Das war ein tolles Gefühl. Das habe ich erlebt, finde ich super, möchte ich gerne auch noch einmal haben, allerdings vielleicht in einer anderen Form. Um was es mir aber geht ist: Ich habe den Triathlon nicht komplett absolviert. Und das wird gleich noch einmal wichtig, weil – ich greife noch einmal zurück auf die Leute, die im Tunnel sind. Die sich die letzten Stunden – ich meine nicht Minuten, sondern Stunden – im Grunde von Minute zu Minute gequält haben und sich einfach nur dem Ziel entgegenbewegt haben.

Nicht neidisch sein!

Und dann kommst du in diesen Bereich. Ich habe gerade beschrieben, wie cool das ist. Stelle dir das noch in dunkel vor, stell dir vor, dass überall Lichter sind, wie viele Leute mit Wunderkerzen auf der Tribüne stehen und jubeln. Und dann hast du eine echt coole Musik dazu, die richtig unter die Haut geht. Und dann siehst du, wie dieser Mann, von dem ich eben gesprochen habe, von dessen Frau ich dir eben erzählt habe – nimm den einfach jetzt als Beispiel –, wie dieser Mann einläuft in das Stadion bzw. auf den kleinen Berg der hoch zum Stadion führt. Nicht besonders steil, aber er ist ein bisschen länger, so dass du ungefähr einen Kilometer mit dir selbst noch einmal alleine bist, dass du merkst, du hast es gleich geschafft.

Und dann merkst du auf den letzten 400 Metern, wie der Tunnel aufzugehen scheint. Und wie sich die Grimasse dieses Sportlers von diesem Athleten löst und er so langsam realisiert, was er da geschafft hat.

Und dann kommt vielleicht die Frau und dann kommt vielleicht der Sohn oder der Enkel – ich glaube, er älteste Teilnehmer war 76 Jahre – und dann erlebst du was. Dann erlebt dieser Mensch was. Und dann habe ich einen Entschluss gefasst. Nicht, wie du jetzt gedacht hast, ich fange jetzt an mit Triathlon trainieren. Nein. Ich habe mich was gefragt. Ich habe mich gefragt: Warum erlebe ich jetzt so ein diffuses Gefühl von: Ey, das musst du selbst auch erleben. Das war das erste Gefühl und vielleicht hast du deshalb auch gedacht, dass ich mich entschlossen habe, für den Triathlon zu trainieren. Nein.

Ich habe mich gefragt: Was für ein Schwachsinn ist das, dass ich das denke! Ey, du musst das auch erleben!

Ich will das nicht.

Ich weiß, ich würde den Weg wahrscheinlich nicht genießen. Das Training ist mir viel zu viel. Ich möchte die Zeit nicht entbehren. Ich möchte nicht, wenn andere, wenn meine Kumpels essen gehen, sagen müssen: Nein, ich muss Radfahren. Oder irgendwas in der Richtung. Das ist auch gar nicht so entscheidend, wie sich das genau gestaltet, für mich ist ein ganz anderer Punkt wichtig, nämlich: Was ist das? Ist das Neid? Bin ich neidisch darauf, dass anderer körperlich da besser unterwegs sind? Ist es Neid, darauf, einmal einen Punkt erreichen zu können, wo man sagt: Ich habe das geschafft, ich habe wider besseren Wissens, wider der Gesundheit, wider vielen anderen Argumenten, das durchgezogen und gemacht?

Und dann frage ich mich: Ist das wirklich so, dass ich dann die letzten Jahre, ich weiß nicht, 50 Wochen, 20 Stunden, das sind ungefähr 1000 Stunden, plusminus Anfahr, Abfahrt und die ganze Kohle, die es kostet, hätte ich das wirklich genießen können, allein um einmal diesen Moment aus dem Tunnel raus schaffen zu können? Wenn ich es denn schaffe!

Ist das Bewunderung? Und dann war es mir auf einmal klar. Und das ist der Inhalt und deswegen kriegt dieser Podcast, die heutige Episode, diesen Titel. Ja. Mir mir klar, nein, ich hab immer und du hast auch immer diese Wahl. Du kannst dich entscheiden. Du kannst sagen, ich das MEIN Ding. Will ich das auch? Ist der Weg cool? Bin ich einer von denen, denen Sport so viel Spaß macht, bewegen so viel Spaß macht, um das rausreißen zu können, um das zu machen. Das heißt, dir würde der Weg Spaß machen? Du hast die Wahl. Macht dir der Weg Spaß? Macht dir dann der Wettkampf Spaß und macht dir dann das Ankommen – würde mir – aber macht auch dir das dann Spaß?

Oder du hast die Möglichkeit, es negativ zu machen. “Ja, das ist aber alles viel zu teuer. Und es ist auch ungesund…” Du kannst versuchen, dich zu erhöhen, dir deinen Neid zu erklären, indem du dich erhöhst, indem du das schlecht machst. “Das ist nicht gut für die Umwelt, die ganzen Leute, die da nicht parken dürfen, alles viel zu teuer, ein viel zu großer Verwaltungsaufwand, die vielen Polizisten müssen bezahlt werden und überhaupt sind doch alle gedopt und so weiter.”

Das kannst du auch machen. Es sind auch nicht wenige, die genau das tun: Sich besser fühlen, weil man andere schlecht macht. Oder das Umfeld schlecht macht. Das kannst du natürlich auch tun, denn du hast die Wahl.

Meine Botschaft an dich

Oder – und das ist, wofür ich dich begeistern möchte, wozu ich dich auffordern möchte – du machst dich ein ganz kleines bisschen durchlässig, verletzlich vielleicht. Kann man “verletzlich” sagen? Ja. Du löst dich einfach von diesem “ich auch” und du freust dich einfach mit diesem Menschen. Du entwickelst Empathie, mit ihm, mit ihr – denn es sind auch ganz viele Frauen, die Unglaubliches geleistet haben.

Jetzt wo ich hier stehe und wo ich das sage, kannst du nicht sehen, wie ich schon wieder eine Gänsehaut bekomme, wenn ich zurückdenke wie einige Leute – mit was für einer Befreiung – sie da in das Ziel eingelaufen sind. Und nachdem ich mich durchlässig gemacht hatte, nachdem ich wirklich in der Lage war – Markus, vergiss deinen Neid, vergiss das Negativmachen, freu dich einfach mit den Menschen und erlebe diese Emotion mit. Und genau das, ist doch das, was man immer wieder hört. Zitat: “Das muss einfach toll sein, da einzulaufen!”

Ja. Ist es! Aber es ist genauso toll …, du kannst dir das einfach vorstellen und zwar ohne tausend Stunden vorher zu investieren. Wenn du da Bock drauf hast, dann mach das. Meinetwegen auch zweitausend Stunden, dann kannst du auch einen Ultratriathlon oder sowas machen. Alles gut. Aber: Mach dich durchlässig, mach dich ein bisschen locker und lerne, dich mit den Leuten zu freuen. Das Gefühl auch als Zweitgefühl zulassen zu dürfen, das ist einfach Mitfreude. Dann kannst du dem Zujubeln und sagen: “Junge! Unglaublich starke Leistung, ich freue mich für dich mit.” Und das kannst du nicht sagen, weil man es einfach so macht unter Sportsleuten, sondern weil es dich wirklich freut, weil du diese Emotion wirklich miterlebst. Und das durfte ich tun und dafür bin ich unglaublich dankbar. Es war eine echt, richtig coole Erfahrung.

Empathie statt Neid.

Jetzt habe ich dich 15 Minuten vollgesüzt mit meiner Erfahrung. Ja. Wenn ich dir was sagen darf, wenn du etwas mitnehmen möchtest aus dieser Episode, die jetzt sehr “Markus-zentriert” war, dann nimm mit: Wenn du dich auch von diesem “ich auch” befreien kannst – ich meine auch dieses Negative. Wenn du dich davon befreien kannst, dann kannst du Freude auch einfach für anderer miterleben. Leben. Du brauchst nur den ganzen negativen Kram drumrum weglassen, diesen ganzen negative Selbsterhöhungsmist, Vergleichsmist. Mach dich einfach nur durchlässig, freu dich mit mit den Leuten und dann kannst du ganz viele richtig tolle Erfahrungen machen. Du kannst Freundschaften, Beziehungen knüpfen, die du sonst nicht zugelassen hättest, weil der andere … dieser Neidfaktor und so. Das brauchst du nicht. Mach dich frei von dem “Ich muss das auch machen, um es erleben zu können.” Musst du nicht. Erleb es mit!

Dann kannst du das vom Sport in andere Bereiche transportieren und dann wirst du feststellen, wie bereichernd das ist. Nein, und es geht nicht darum, jetzt hier Blumenkind-mäßig wieder aus der Deckung zu kommen. Es geht ein bisschen vielleicht um Verletzlichkeit. Ja, du machst dich damit ein Stück weit verletzlich und angreifbar. Das ist überhaupt ein gutes Thema und deshalb werde ich das nächste Woche mit aufnehmen als Episodenthema. Freu dich also auf Episode 022. Da geht es darum.

Zum Abschluss: Vergiss das mit dem “Ich muss das auch machen.” Du musst gar nichts auch machen. Einen Scheiß musst du.

Ich wünsche dir eine tolle Woche. Ich bin froh, dass du mir zugehört hast und dass ich das loswerden konnte, weil mir das wichtig ist und war. Ich freue mich, wenn du DEIN Ding machst, wenn du da wirklich Bock drauf hast, auch während des Prozesses. Und bis dahin eine gute Zeit. Das war der Markus!