„Sie müssen aber….“

Kennst du diese Situation?

Steigt dann auch in dir Wut auf?

Möchtest du dann auch der ganzen Welt entgegen schreien: „Einen Scheiß muss ich!“ – Ganz oft kannst oder könntest du das. Meiner Schätzung nach in ca. 89,2 % der Fälle.

Du hast Skrupel?

Wie du deine Karmapunkte behalten kannst und mit dir „im Reinen“ bleibst, ist Thema dieser Episode.

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Transkription:

Hi, eine wirklich wichtige Folge und da begrüße ich dich zu. Schön, dass du dabei bist, schön, dass du Teil dieser Folge bist. Ich stelle Fragen und du sollst entsprechende Antworten finden.

Ich weiß nicht, ob du dich erinnerst? Vor ungefähr 2 Wochen hatten wir hier in Nordrhein-Westfalen, in Mönchengladbach, ein riesen, riesen Unwetter. Ein Jahrhundertunwetter. Ungefähr das 7. Jahrhundertunwetter der letzten 3 Wochen. Über den Sinn und Unsinn davon kann man ja nochmal sprechen. Was ich sagen wollte: Ich hatte Dellen im Auto als ich am nächsten Morgen mein Auto angeschaut habe. Hagelkörner! Der Rasen meines Nachbars sah teilweise aus wie ein Golfplatz. Und ich möchte auf der einen Seite, dass du mit bemitleidest, weil ich so schlimme Hagelschäden hatte, zum anderen möchte ich dir aber auch was sagen. Und zwar bin ich bei einer Versicherung, da kann man den Schaden online, via App, melden. Das habe ich getan. Und ich habe dann auch eine Nachricht bekommen, dass alles gemeldet ist und dass irgendwann aufgrund der zu erwartenden Engpässe der Gutachter sich melden wird wegen eines Termins. Alles gut, habe ich gedacht. Prima.

Dann passierte erst einmal ein paar Tage nichts. Und dann habe ich einen Brief bekommen von der Autoversicherung, dass ich jetzt doch mal den Schaden melden soll. Im Betreff des Briefes war übrigens der Schaden mit Fahrzeugkennzeichen und dass es ein Hagelschaden ist, bereits aufgeschrieben und dann habe ich da angerufen und gefragt, ob sich mit den Briefen was überschnitten hat. Hätte ja sein können, dass die App und was auch immer, sich überschnitten hätten. Aber nein, es ist ganz anders, die App ist quasi da, aber sie zählt nicht. Das heißt, ich habe jetzt den ganzen Quatsch da eingegeben, Fotos gemacht und den ganzen Mist und habe auch einen Anruf bekommen, dass der Schaden eingegangen ist, also der Hinweis darauf. Aber das würde trotzdem alles nicht gelten, weil ich muss … noch so ein Formular ausfüllen über drei Seiten und das dann zurückschicken. Da war er wieder, mein Frust. Da war er wieder mein Generve. Ich weiß nicht, ob ihr das nachvollziehen könnt, aber sowas macht mit wahnsinnig. Warum? Egal.

Auf jeden Fall war er da wieder und auch wieder der berühmte Satz: “Sie müssen das jetzt ausfüllen!” Und dann fällt mir immer ein Buch ein von Tommy Jaud. Das ist jetzt etwa ein halbes Jahr auf dem Markt. Und darum geht es mir jetzt eigentlich, das ist auch Thema der heutigen Episode, um Antworten zu finden. Und zwar heißt das Buch: “Einen Scheiß muss ich!”

Und genau das habe ich mir gedacht. “Sie müssen das jetzt …” NEIN! Einen Scheiß muss ich. Das hat mich ein Stück weit befreit. Weil ich mir gesagt habe, ich muss das gar nicht. Und wenn du drüber nachdenkst … Was muss man denn wirklich? Nicht so richtig viel, ne? Stimmt!

Frei leben!

Und das Buch ist echt cool, das kannst du mal lesen. Es reduziert aber im Grunde – ich mag Tommy Jaud, ich mag auch seine ersten Bücher. Ich habe viel gelacht. Da steckt auch immer ein Körnchen Markus mit drin. Ich habe mich da an einigen Stellen wiedergefunden. Das ist aber nicht das Thema. Das Wichtige ist: “Einen Scheiß muss ich!” Wann möchtest du das nicht auch mal sagen? “Einen Scheiß muss ich!” Häufiger. Das ist ja wirklich befreiend, habe ich mir gedacht. Und ich habe es ihr nicht gesagt, der mehr oder weniger genervten Frau am Telefon. Ich fühlte mich erst einmal nur befreit. Muss ich gar nicht.

Und dann kommt so ein Fragezeichen. Musst ich das echt nicht? Musst du das echt nicht? Was ist denn mit so Themen wie Gemeinschaft? So eine Autoversicherung bringt mir ja auch Sicherheit, weil es schon schön wäre, wenn der Schaden nicht mehr da wäre. Bzw. in meinem Fall – du weißt ja, ich bin ein halbes Jahr auf Mallorca, das Auto in Spanien – ja, richtig. Du hast das richtige Bild im Kopf, wenn du das gleiche denkst wie ich. Der ein oder andere Kratzer ist drin und ob da jetzt noch so eine Delle drin ist oder nicht, ist eigentlich egal. Und ich bin da auch ganz offen, ich möchte eigentlich nur … ja, ich glaube nicht, dass ich es reparieren lassen würde. Ist aber auch legitim, alles in Ordnung. Dennoch, diese Versicherung … und ich rege mich im Grunde ja nicht darüber auf, dass ich das melde und wie ich das melde, sondern dass ich das zweimal melden muss. Und dann kommt noch dazu, dass ich davon Vorteile habe, nämlich das Geld, und der guten Ordnung halber.

Und man tut ja viele Sachen wegen dieser Ordnung und der Gemeinschaft und dann kommen ja auch noch ein paar Sachen dazu. Wenn du zu jeder Frage, ob du was machen kannst, ob du helfen kannst, immer sagst: Einen Scheiß muss ich! Klar, musst du das nicht. Aber was ist mit Gefühlen? Was ist mit Hilfsbereitschaft, was ist mit deinen Prinzipien, was ist mit den Leuten, die du magst und wo du das vielleicht ab und zu mal sagen musst, dich aber trotzdem genötigt fühlst?

Und das ist das Thema der heutigen Episode. Ich möchte dir beschreiben, wie ich das tue und vielleicht kannst du da den ein oder anderen Hinweis, die ein oder andere Idee rausziehen.

Ein Beispiel. Ich bin Vater, inzwischen von zwei Kindern, die nicht mehr in die Schule gehen, aber ich kenne diese Einladungen zu Elternsprechtagen oder zu Elternabenden – noch viel cooler: Sie müssen dahin kommen, denn es geht um die Klassenfahrt und es wird entschieden, ob das Kind 3,20 Euro oder 3,30 Euro mit auf die Klassenfahrt nimmt. Also so wichtige Sachen. Und da kommt dann: Einen Scheiß muss ich! Muss ich nämlich gar nicht. Aber ich habe das immer so gemacht, dass ich das an zwei Punkten für mich festgemacht und geprüft habe. Und hier nochmal das Ausrufezeichen. Ganz, ganz wichtig!! Das sind MEINE Beispiele, wie ich immer versuche, dir und allen zu sagen, das ist nur MEINS. Für mich funktioniert’s. Ich weiß nicht, ob es für dich funktioniert. Wenn du dir was rausziehen kannst, freue ich mich, wenn nicht, finde DEIN Ding, was drauf passt.

Aber was ich sagen wollte: Ich habe zwei Sachen, an denen ich das immer prüfe. Ich prüfe das immer an meinen Leitsätzen und an meinen Fernzielen. Und die ganze Predigt über Commitment, die ich immer meinen Klienten raushaue, hat damit zu tun, dass Commitment in dem Fall ja der Weg ist. Ich möchte den Weg dahin genießen, auf dieses Fernziel. Und es muss mit den Leitsätzen harmonieren. Und ja, wir sind beim Beispiel: Du musst zum Elternabend, zum Elternsprechtag. Was auch immer.

Leitziele und Prinzipien

Meine Leitziele, meine Prinzipien habe ich aufgeschrieben. Und das rate ich dir auch. Schreibe die Sachen auf, denk drüber nach, was das ist, und ich möchte dir jetzt ein Beispiel geben. Eines meiner Prinzipien ist: Tu was du willst, solange du damit keine Regeln und keine Grenzen von anderen Menschen verletzt.

Das ist einer MEINER Leitsätze. Ich möchte nicht alle aufzählen, denn es sind sehr, sehr private Sachen dabei. Und das ist auch gut so und so sollte es für dich auch sein. Was ich damit sagen möchte, die Frage lautet: Du musst zum Elternsprechtag gehen? Würde ich damit irgendeine Grenze von irgendwem verletzen? Eigentlich nicht. Ich denke damit vernachlässige ich nichts. Ich tue keinem weh. Also wäre hier die Antwort: Einen Scheiß muss ich!

Meine Fernziele. Eines meiner Ziele ist: Ich werde am Wasser leben. Könnte dieses Ziel, das ich im Moment habe, das ich committed anstrebe, also committed, der Weg und so weiter. Könnte es dem Ziel abträglich sein, wenn ich nicht zu diesem Elternsprechtag gehe. Nein. Eigentlich auch nicht. Das heißt: Einen Scheiß muss ich!

Jetzt kann ich vollkommen frei sagen, ich kann ganz befreit sagen: Ja, ich hätte vielleicht Bock, da ist vielleicht das ein oder andere Elternteil, wo ich Lust hätte, hinterher ein Bier mit zu trinken. Aber das würde meinen ganzen Prinzipien nicht entgegenstehen. Und wenn du diese Prinzipien und diese Fernziele mal aufgeschrieben hast – und das rate ich jedem –, dann bist du auch in der Lage, da sofort eine Antwort drauf zu finden. Und dann kannst du dieses befreiende Gefühl haben und sagen: Einen Scheiß muss ich!

Ja, ich weiß, ich habe jetzt schon sieben Mal Scheiß gesagt. Einmal habe ich noch frei: Scheiß! Das war jetzt das siebte Mal. Das ist eigentlich das, was ich dir sagen möchte. Ich möchte, dass du dann befreit bist, wenn das so ist.

Und am Rande kann ich dir vielleicht noch eine Technik mitgeben. Wenn du diese Wut und diesen Ärger verspürst, versuch einfach mal, einen Termin mit deiner Wut zu machen. Das heißt du sagst jetzt: Boah, die blöde Kuh, jetzt muss ich den Mist ausfüllen!!!

Pause. Atme tief durch. Ganz in Ruhe. Und dann sagst du: Jetzt ist es schlecht, denn ich wollte mich gerade gar nicht ärgern, aber heute Nachmittag um Viertel nach Vier. Da habe ich Zeit. Und dann ärgere ich mich dann. Und du wirst sehen, die Wut verraucht schon wieder ein bisschen. So war es bei mir auch. Ich habe drüber nachgedacht und gesagt: Okay, ich muss das alles gar nicht, aber es bringt mir einen Vorteil. Ich bin jetzt wieder bei dem Thema mit der Meldung. Natürlich habe ich es hinterher gemeldet. Ich hätte es aber nicht machen müssen. Ich war so befreit, dass ich nicht aufgrund meiner Ziele oder meiner Prinzipien gesagt habe: Es wäre gut, dass du das machst. Und dann konnte ich das frei entscheiden und das war … frei. Das war irgendwie cool. Danach habe ich mich besser gefühlt.

Entscheidungen treffen

Und genau das ist ja auch das Thema. Ich möchte, dass auch du dich besser fühlst. Was möchte ich dir damit sagen? Im Grunde möchte ich dir nur sagen, dass du in ganz, ganz vielen Punkten echt ganz cool und befreiend deine Entscheidungen treffen kannst. Das heißt: Prüfe deine Beispiele und deine Fragestellungen anhand deiner Werte und deiner Ideen, was du so im Leben als wichtig empfindest, und dann kannst du ganz entspannt eine Entscheidung treffen.

Und damit sind wir wieder beim Anfang. Tommy Jaud. Er hat gesagt, 90 % aller Sachen musst du überhaupt nicht. Und das stimmt. Ganz, ganz viele Sachen müssen wir nicht, wir wollen sie. Weil wir das wählen oder nicht wählen. Aber wir sind frei in der Entscheidung und du bist frei in der Entscheidung. Und das ist, was ich möchte, das du mitnehmen kannst. Dass du in ganz vielen Fällen gar nichts musst. Und damit lässt es sich freier und schöner leben.

In der nächsten Woche gibt es die Folge 018. Vielleicht gibt es da auch ein Interview dazu. Ich freue mich jedenfalls schon darauf. Und es geht da wahrscheinlich um das Thema Entscheidungen, denn damit haben wir ja schon angefangen. Ich wünsche euch eine wundervolle Woche, ich wünsche euch, ich wünsche dir eine tolle Zeit.

Freue mich, wenn du DEIN Ding machst. Be committed. Das war der Markus. Ciao.