Heute sprechen wir über die Beziehung zu Geschwistern und warum es zwischen „Meinen Bruder habe ich schon seit Jahren nicht mehr gesehen“ und „Meine Schwester ist meine engste Freundin und Seelenverwandte“ kaum Grauzonen gibt.

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Transkription:

Heute geht es um die Beziehung – gut oder schlecht – zu Geschwistern. Und wir sprechen darüber, warum es zwischen “meinen Bruder habe ich schon seit Jahren nicht mehr gesehen und das ist auch gut so” und “meine Schwester ist meine engste Freundin und Seelenverwandte” eigentlich kaum Grauzonen dazwischen gibt. Hast du einen Bruder? Eine Schwester? Vielleicht mehrere? Gemischt?

Ich habe einen Bruder und ich bin froh, dass ich ihn habe. Er lebt mehrere 100 Kilometer von mir entfernt und doch ist er mir eigentlich sehr nah. Und ich weiß, dass ich ihn zu jeder Tages- und Nachtzeit anrufen kann und das ist ein schönes Gefühl. Und es ist ein beruhigendes Gefühl. Wie ist das bei dir?

Wir hatten letzte Woche das Thema “Eltern”. Das hat eine Menge Emotionen und Reaktionen provoziert. Und ja, ich habe dabei auch ein bisschen polarisiert und das war auch ein Stück weit Absicht. Die eine Seite, die mir sagte, ob ich das alles so ernst meine. Eltern seien sehr wohl an sehr vielem schuld. Schuld. Schuld. Ich kann aber nur die Frage stellen, wer diese Schuld feststellen soll. Du? Bist du der Richter über deine Eltern? Oder über deren Umfeld? Über das was sie in der Erziehung gelernt haben, was sie vielleicht tun mussten? Ich bin das sicher nicht.

Und es gibt die andere Seite, die mir rückgemeldet hat, dass zum ersten Mal überhaupt dieser Blickwinkel in Erwägung gezogen worden ist, dass vielleicht die Eltern es nicht besser wussten und konnten, durften. Aufgrund ihrer Erziehung, der Situation, in der sie glaubten, gefangen zu sein. Und dementsprechend gehandelt haben. Mir wurde dann auch die Frage gestellt, ob ich vielleicht eine weiterführende Information zur Verfügung stellen kann. Das habe ich gemacht. Ich habe eine Checkliste für dich gebaut. Am 1.7. geht mein neuer Memberbereich online und dann findest du genau dort kostenlos eine Checkliste, anhand derer du dich ganz in Ruhe noch einmal den Überlegungen stellen kannst, die ich da so aufgestellt habe. Und Stück für Stück, Punkt für Punkt vielleicht eine bessere Beziehung zu deinen Eltern wieder hinbekommst. Ob real oder in deinem Kopf und Vorstellungen und Wertesystem, ist dabei gar nicht so entscheidend. Klar. Das kannst du dir jetzt schon alles sichern. Du findest alle weiteren Informationen am Ende der Episode.

Was sagt die Statistik?

Aber was hat das jetzt alles mit der Beziehung von Geschwistern zu tun. Das ist ja das Thema heute. Eine Menge hat es damit zu tun. Lass mich noch einmal zu den Statistiken von letzter Woche, von der letzten Episode zurückkehren. Du erinnerst dich, dass ich da von “verschwundenen Geschwistern” sprach. Und der Grundsatz war in der Statistik – es wurden Menschen gefragt, was oder wer ihre Entwicklung besonders stark beeinflusst hat. Ja. Vater und Mutter mit über 50% und die Geschwister liegen bei 10%, knapp gefolgt von den Lehrern mit 9%. Das heißt, Geschwister sind für unsere Entwicklung in den Köpfen der Menschen genauso viel wert wie die Lehrer. In der emotionalen Entwicklung. Komisch oder? Gut, das sind verschwundene Geschwister. Aber das führt sich ja weiter. In der nächsten Statistik wurden die Leute gefragt, wer denn zur Familie gehören würde. Wer gehört zur Familie? Geschwister? Haltet euch fest: 43%. Nur die Hälfte der Menschen, die wohlgemerkt Geschwister haben, sagen: “Meine Geschwister gehören dazu.” 50%. Scheint irgendwie schwarz oder weiß zu sein. Dazwischen scheint es nicht viel zu geben. Woran liegt das?

Kommen wir zu einer Statistik, die ich euch letzte Woche vorenthalten habe, die zum Thema “Eltern” gar nicht so gepasst hat, die ich aber heute ganz wichtig finde. Und zwar geht es da um Aussagen und die Frage war: “Welche der folgenden Aussagen zum Thema Geschwister trifft auf Sie zu?”

Da wurden die Menschen gefragt: “Ich liebe meine Geschwister.” Insgesamt sagten 52% JA und 48% sagten NEIN. Komisch, oder? Schwarz. Weiß.

Hier ist es übrigens so, dass die Frauen leicht vorne liegen, wenn es um das Ja-Sagen geht.

“Ich teile gerne mit meinen Geschwistern.” Das wird gleich noch einmal wichtig. Hier sagt nur jeder dritte Mann “Ja, mache ich gerne.” Und nur jede zweite Frau, also 50% und insgesamt im Mittel sind es knapp über 40%, die nur sagen: “Ja, ich teile gerne mit meinen Geschwistern.”

“Ich mag meine Geschwister heute mehr als früher, als wir Kinder waren.” Das ist eine Sache, die man ständig hört, aber wenn es dann in einer Umfrage gefragt wird, ist es nur ein Fünftel, die das bejahen. Und hier ist gar kein Unterschied zwischen Männern und Frauen.

“Ich bin manchmal neidisch auf das Leben meiner Geschwister.” Neid. Missgunst. Was so bei den Eltern liegt, das kommt gleich noch einmal gesondert als Thema. Hier sagen nur 5%: “Ja, das stimmt, ich bin manchmal neidisch.” Ich habe da so meine Zweifel.

Und 2% sagen nur: “Ich wünschte, ich wäre Einzelkind.” Ist das jetzt nicht komisch? Wenn 50% nur sagen: “Ich liebe meine Geschwister.” Aber auch nur 2% sagen: “Ich wünschte, ich wäre Einzelkind.” Komisch, oder?

Was ist da los? Was geht da ab? Warum ist das so? Tja. Es ist irgendwie genau wie das Ding mit Mama und Papa. Nur ohne das Abhängigkeitsverhältnis. Welche Faktoren spielen denn da so insgesamt eine Rolle? Du hast dir natürlich nicht ausgesucht, ob du ein Geschwisterchen bekommst. Klar konntest du auch nicht wählen, in welcher Reihenfolge du in der Kette der Geschwister, Brüder, Schwestern bist. Bist du das Nesthäkchen? Bist du der, der sich um alles kümmern musste, weil du der Älteste bist? Bist du der in der Mitte, der irgendwie so auf die Kleinen aufpasst als Großer, von den Großen unterdrückt oder gemaßregelt in der Mitte nicht verstanden und vielleicht vernachlässigt wurde? Welche Rolle – und das ist der zentrale Faktor – hat da mal wieder das Wort Neid gespielt?

Genau hinschauen.

Lass mich dich mitnehmen in folgende Situation. Der Vater nimmt seinen 13-jährigen Sohn mit in die Firma, um ihm näher zu sein, um ihm einfach mal zu zeigen, was er da so den ganzen Tag macht. Was er da denkt. Ja und die 10-jährige Tochter geht zur Musikschule Klavier lernen. Sie hat Talent in diesem Bereich und das soll natürlich gefördert werden.

Lass uns kurz in die Gedankenwelt des Sohns eintauchen. “Warum muss ich mit in diese bescheuerte, blöde Firma? Den ganzen Mist anschauen? Nur weil Papa sich wieder mal wichtig machen will und zeigen will, wie hart das Leben ist. Und meine bescheuerte kleine Schwester darf spielen gehen. Blöde Kuh! Sie wird sooooo bevorzugt. Total ungerecht. Ich hasse meine Schwester!”

Die Tochter könnte denken: “Ich habe überhaupt gar keine Lust auf das blöde Klavierspielen. Nur damit Mama wieder mit mir angeben kann. Und mein ach so toller großer Bruder darf mit Papa ins Büro. Nur weil er älter ist. Und dann spielt er sich auch immer so auf, der Idiot. Ich will auch ins Büro und sehen, was da los ist. Das ist bestimmt total spannend. Ich hasse meinen Bruder!”

Als kleiner Exkurs: Was sagt das über die Motivation der Eltern? Ist das nicht gut, was sie gemacht haben? Aber gut, das geht wieder auf die Folge 014 zurück, die kannst du dir ja wieder anhören.

Welche Gefühle überwiegen in der Beziehung zu Geschwistern?

Und so geht es weiter. Und weiter. Und weiter. Und im Grunde ist es nur die Frage, was in den nächsten Jahren überwiegen wird. Eifersucht, Neid und gegenseitige Verletzungen, die dann all die Dinge überlagern werden, die schön waren? Oder gemeinsame Erlebnisse und Freude und Emotionen, denen das kleine bisschen Neid, Schrammen und anderer Kleinkram nichts anhaben kann und konnte.

Und jetzt. Triff eine Entscheidung. Triff deine Entscheidung. Entdecke deinen Bruder oder deine Schwester neu, erfreue dich dran oder trenne dich auch emotional von ihnen. Und lass dir dann auch kein schlechtes Gewissen machen! Triff eine Entscheidung! Auf was hast du jetzt Bock? Ein letztes Bild zerreißen, das du noch irgendwo rumliegen hast? Einen Kontakt – Bruder oder Schwester – endlich auch bei Facebook löschen und den klaren Schnitt ziehen? Und dann bei Familienfesten einfach nur Fremde oder einfach Leute sein, die sich halt so kennen? Oder willst du einfach einem Menschen mit dem du so viel in der Vergangenheit geteilt hast – Leid, coole Sachen, Spaß, Ärger – Danke sagen, dass es ihn gibt. Da ist jetzt nichts besser oder schlechter oder richtig oder falsch. Es ist nur wichtig, dass du eine Entscheidung triffst und diese dann lebst. Aktiv lebst.

Das wars für diese Woche, schön, dass du zugehört hast. Das war der Markus. Ciao …

Hm. Vielleicht spürst du aber auch einen Impuls, jemanden anzurufen. Einen Brief zu schreiben und zu fragen, ob ihr euch noch einmal unterhalten könnt über früher und was da so passiert ist, das gar nicht in der eigenen Verantwortung gelegen hat. Es würde mich freuen, wenn ihr zusammenfindet und du da eine Entscheidung triffst.

Wie auch immer. Das wars nochmal. Eine schöne Woche.